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Pfahlgründungsbemessung in Heidelberg – Tragfähigkeit im Neckartal und an den Hängen

Die geotechnischen Kontraste Heidelbergs lassen sich kaum besser fassen als beim Blick auf die Quartiere Bergheim und den Kohlhof. In Bergheim, auf quartärem Neckarschotter und Auenlehm, reichen die Pfähle oft 18 bis 22 Meter tief, bis der tragfähige Buntsandstein ansteht. Wenige Kilometer entfernt, am Kohlhof auf 400 Höhenmetern, treiben wir die gleichen Bohrpfähle nur 6 Meter durch verwitterten Hangschutt, bis der Fels erreicht ist. Diese Spanne zeigt, warum eine Pfahlgründungsbemessung in Heidelberg ohne lokales Baugrundmodell nicht funktioniert. Die Mantelreibungswerte unterscheiden sich je nach Verwitterungsgrad des Buntsandsteins massiv – und wer hier mit Standardtabellen arbeitet, dimensioniert entweder unwirtschaftlich oder unsicher. Unser Team hat über 120 Pfahlprobebelastungen im Stadtgebiet ausgewertet, von Handschuhsheim bis Rohrbach. Wenn der Baugrund so wechselhaft ist wie zwischen Altstadt und Emmertsgrund, hilft nur eine Bemessung, die jede Schicht einzeln anspricht und mit der Korngrößenanalyse den Feinkornanteil der Bodenschicht sauber erfasst, bevor die Pfahlspitzenwiderstände angesetzt werden.

Im Heidelberger Neckartal liegen die Spitzendrücke des Buntsandsteins oft über 15 MN/m² – 400 Meter hangaufwärts sinken sie durch Klüftung auf 5 MN/m². Das ist der Unterschied zwischen 60 und 120 cm Pfahldurchmesser.

Methodik und Umfang

Heidelbergs Baugeschichte ist auch eine Geschichte der Gründungstechnik. Als die Altstadt im 18. Jahrhundert über die engen Gassen hinauswuchs, wurden die ersten Großbauten auf Holzpfählen im Neckarschotter gegründet – eine Technik, die man in der Plöck und am Bismarckplatz noch heute im Baugrund antrifft. Der Sprung zur modernen Pfahlgründungsbemessung kam mit dem Bau des Universitätscampus im Neuenheimer Feld ab den 1960er Jahren. Dort, auf mächtigen Auenlehmen mit organischen Einschlüssen, waren Großbohrpfähle mit Durchmessern von 90 bis 120 cm nötig, um Setzungen unter 2 cm zu halten. Heute arbeiten wir mit den Erfahrungen aus dieser Epoche weiter, ergänzt durch Drucksondierungen nach DIN EN ISO 22476-1 und Laborversuche gemäß DIN EN ISO 17892. Unsere Bemessung folgt EC 7-1 (DIN EN 1997-1:2014-03) inklusive des nationalen Anhangs DIN EN 1997-1/NA. Die charakteristischen Pfahlwiderstände leiten wir über Erfahrungswerte aus CPT-Versuchen ab, die wir im Stadtgebiet Heidelberg seit Jahren kalibrieren. Für Bohrpfähle, Mikropfähle und Verdrängungspfähle liegen uns getrennte Datensätze vor, sodass die Streuung der Widerstandsbeiwerte ξ3 und ξ4 standortspezifisch angesetzt werden kann.
Pfahlgründungsbemessung in Heidelberg – Tragfähigkeit im Neckartal und an den Hängen

Lokale Besonderheiten

In Heidelberg sehen wir immer wieder, dass Baugrundgutachten aus den 1990er Jahren für Neubauprojekte herangezogen werden, ohne die Überbauung der Nachbargrundstücke zu berücksichtigen. In der Weststadt und in Neuenheim hat die Bebauungsdichte in den letzten 20 Jahren so zugenommen, dass die Mantelreibung durch Spannungsumlagerung im Boden um bis zu 15 Prozent abgemindert werden muss. Wer das ignoriert, riskiert ungleichmäßige Setzungen, die bei empfindlicher Nachbarbebauung schnell zu Rissbildern führen. Noch kritischer ist die Situation am Hangfuß des Königstuhls, wo die Pfahlgründungsbemessung die Hangparallelkomponente der Auflast erfassen muss. Vernachlässigt man den aktiven Erddruck auf die Pfähle, entstehen Biegemomente, für die der Pfahl nicht bemessen wurde. In der Schlierbacher Landstraße gab es genau diesen Fall: Ein zu knapp dimensionierter Pfahlrost führte zu einer Horizontalverschiebung von 4 cm, die erst durch nachträgliche Injektionen im umliegenden Baugrund gestoppt werden konnte.

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Normativer Rahmen

DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln), DIN EN 1997-1/NA:2010-12 (Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter), DIN EN 1992-1-1:2011-01 (Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken, in Verb. mit DIN EN 1536:2010-12 für Bohrpfähle), DIN EN ISO 22477-1:2019-04 (Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Prüfung von geotechnischen Bauwerken und Bauwerksteilen – Teil 1: Pfahlprobebelastungen), DIN EN ISO 17892-1 bis -12 (Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Laborversuche an Bodenproben)

Verwandte Dienstleistungen

01

Geotechnischer Bericht nach EC 7

Aufstellung des Baugrundmodells mit Schichtverzeichnissen nach DIN EN ISO 14688, Ableitung der charakteristischen Bodenkenngrößen und Bemessung der Pfahltragfähigkeit nach dem erweiterten Erfahrungswertverfahren (EA-Pfähle, 2. Auflage 2012).

02

Probebelastungen und Integritätsprüfungen

Planung, Ausschreibung und Auswertung statischer axialer Pfahlprobebelastungen. Low-Strain-Integritätsprüfungen mit Auswertung nach der Impuls-Echo-Methode zur Qualitätssicherung vor Ort.

03

Setzungs- und Gruppenwirkungsanalyse

Numerische Simulation der Pfahl-Boden-Interaktion mit der Finite-Elemente-Methode (Plaxis 3D), um Pfahlrostsetzungen und die Lastverteilung innerhalb der Pfahlgruppe wirklichkeitsnah abzubilden.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
BemessungsnormDIN EN 1997-1:2014-03 + DIN EN 1997-1/NA
PfahltypenBohrpfähle, Mikropfähle, Verdrängungspfähle, Duktilpfähle
Erkundungstiefe≥ 3-facher Pfahlschaftdurchmesser unter Pfahlfuß
ProbebelastungenStatische axiale Pfahlprobebelastung nach DIN EN 22477-1
SetzungsberechnungNichtlineare Bettung nach El-Mossallamy oder FEM (Plaxis 3D)
Teilsicherheitsbeiwerteγs = 1,10 bis 1,40 (ständige Last), γt = 1,40 (Bodenkenngrößen)
Dynamische PrüfungIntegritätsprüfung nach DIN EN 1997-1, Anhang D (Low-Strain)
Boden-Bauwerk-InteraktionGruppenwirkung nach Mandolini & Viggiani, 1997

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Heidelberg und Umgebung.

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